Nachrichten aus der Heimat

Montag, 03.03.2014

Hallo, ich habe mich ja lange nicht mehr gemeldet - das tut mir auch Leid, denn gerade jetzt ist die SItuation in der Ukraine sehr angespannt, weswegen ich auch froh bin, dass ich sicher und heil zu Hause angekommen bin.

Dennoch war auch in der letzten Woche in Odessa echt viel los - zur DELKU kam nämlich eine deutsche Studentin als Praktikantin - der ich zum Glück gleich einige meine Omas "anvertrauen" konnte ;) Lena macht zwar nur für zwei Monate ein Praktikum hier, aber wir haben uns voll gut verstanden und werden und sicher in Chemnitz mal wieder sehen :)

Die letzten Tage waren geprägt vom Abschiednehmen - Abschied von meinen Omas, von denn süßen Kindern im deutsche Kindergarten, von den Familien Hamburg und Spahlinger von Lena,von der Gemeindemitgliedern der DELKU, von Odessa, vom Meer, von Riesentortenstücken, von Cirok (einer süßen Käsequarkspeise, die es in kleinen Päckchen zu kaufen gibt) .... die Liste ließe sich noch ewig weiterführen. Dennoch habe ich auch noch etwas unternommen - ich war nämlich zusammen mit Lena und einigen Leuten vom deutschen Stammtisch in den Katakomben von Odessa - das war schon ein tolles Erlebnis, deswegen hiervon etwas mehr:

 

- die Katakomben von Odessa sind ein unterirdisches Gängesystem, dass sich unter der gesamten Stadt hindurchzieht und mit 2500 km zu den wahrscheinlich größten Labyrinthsystemen der Welt gehört

- Von den 2500 km sind etwa 800 erforscht -  in einem kleinen Dorf gibt es sogar ein richtiges Museum, denn im 2. Weltkrieg versteckten sich hier Partisanen, die die deutsche Armee angriffen

- die Katakomben entstanden vor etwa 3,5 Millionen Jahren aus Muschelkalkstein - aus diesem wurden auch die meisten der Bürgerhäuser in Odessa erbaut 

- Wegen der Katakomben gibt es in Odessa keine Metro (obwohl die Stadt durchaus groß genug dafür wäre) - die meisten Häuser sind schon so extrem einstruzgefährdet, sogar die Oper musste vor einem Absinken in die Katakomben geschützt werden 

- Die Maximaltiefe der Katakomben liegt bei 70 m - und es ist wirklich verwirrend sich in den Gängen zurecht zu finden, da es insgesamt drei Stockwerke gibt, die teilweise miteinander verbunden sind 

Lena und ich Schule im Untergrund

Tja und dann kam auch schon mein letzter Sonntagsgottesdienst in dem ich noch einmal verabschiedet wurde - es war voll süß, wie die eine Lehrerin in der Blindenschule, mit der ich mich immer am besten verstanden habe, extra den weiten Weg bis zur Kirche auf sich genommen hat, um sich von mir zu verabschieden (ich habe sogar noch zwei selbstgenähte Kuscheltierhasen mit auf den Weg bekommen - ukrainische Gastfreundschaft :)). Bei schönstem Sonnerschein nahm ich Abschied von Odessa - denn am Abend ging es auf zum Zwischenseminar nach Lemberg. 

  Der vereiste Hafen До свидания Одесса!

Die gesamt Woche in Lemberg war wunderschön - aber viel zu kurz! Unsere Projektkoordinatirinnen vom iCE und unsere Koordinatorin im Land hatten ein wirklich interessantes Programm ausgearbeitet - wir sprachen über unsere Stellen, über die Probleme, die bisher aufgetreten sind und wir ahben uns auch ein bisschen über die ukrainische Lebensweise mokiert - mit Theaterstücken, Modenschau, Videos ...

Ebenso haben wir viel über die politische Situation im Land diskutiert auch mit ukrainschen Jugendlichen - dabei ist uns die planlosigkeit der gesamten Bewegung aber auch der Durchhaltewillen aufgefallen - nun ja, jetzt ist ja schon wieder alles ganz anders...

Doch wir beschäftigten uns nicht nur mit politischen Themen, wir waren auch in verschieden sozialen Projekten, zum Beispiel bei der Organisation "Дшерело", das heißt so viel wie "Hoffnung". Das Tegeszentrum ist das einzige in der Ukraine, das die Inklusion von Behinderten unterstützt - dort gibt es eine Behindertenwerkstatt, einen Kindergarten, mehrere Klassen und Sprotangebote. Was uns alle überrascht hat, war die Superaustattung des Zentrums und die gute Ausbildung der Pflegekräfte. Wie ich nämlich gemerkt habe, sind die meisten Erzieherinnen keine ausgebildeten Pädagogen oder haben gelernt, mit Menschen mit Behinderung umzugehen - bei "Дшерело" war das ganz anders - und das haben wir auch an den Leuten gemerkt. Ich habe mich zum Beispiel mit einem Mädchen, das starke Spastiken hatte, über Harry Potter unterhalten - sie hatte alle Bücher gelesen! Oder einer der Jungen dort kam gerade vom Judo - die Betreuenden sind wirklich gut integriert und aktiv!

Ich glaube, wenn es es mehr solcher Einrichtungen in der Ukraine gäbe, dann würde sich auch das Bewusstsein der Menschen im gesamten Land ändern ... aber bis dahin hat die Ukraine, glaube, ienfach noch einen langen Weg vor sich. Mir (und ich glaube, den anderen auch) hat es zumindest sehr gut gefallen, mit den Betreuenden zu tanzen, zu lachen und zu singen - es hat wirklich Spaß gemacht :)

Am Letzten Abend hatten wir dann eine ukrainische Jugendgruppe zu Gast - sogar der polimische Konsul in Lemberg war am Anfang da. Doch trotz dieser ziemlich förmlichen Eröffnung wurde es noch ein ziemlich lustiger Abend, vor allem, als die Jugendlichen einige ukrainische und polnische Volkslieder zum Besten gaben :)

Nun ja und dann kam auch schon das entgültige Abschiednehmen von der Ukraine und von den anderen Freiwiliigen :/ irgendwie war es schon ein komisches Gefühl aber ich habe mich auch unheimlich auf zu Hause gefreut - ich denke, für mich war es die richtige Entscheidung, ich habe keineswegs die Lust am Reisen und an der Ukraine verloren und habe viel für das Leben gelernt, aber ich bin jetzt auch froh, in Deutschland wieder etwas zu machen, bei dem ich SIcherheit habe und das ich interresant finde. Ich kann trotzdem jedem empfehlen, für längere Zeit in eine fremde Kultur "reinzuschnuppern" - es erweitert den Horizont, schafft neue Bekanntschaften und bringt auf jeden Fall viele spannende Erfahrungen.

Wünsche und Ängste fliegen in die Luft Ann-Marie und Sarah :) Lemberg!

Für mich geht es folgendermaßen weiter: Zurzeit arbeite ich bei meinem Vater und werde mich nun um die Organisation meines Studiums kümmern. 

Doch während ich das hier schreibe,wird die Lage in der Ukraine immer prekärer, ich hoffe, dass dies sich so bald wie möglich ändert und, dass es nicht zu einer Spaltung der Ukraine kommt - trotz der Unterschiedlichkeiten, ist dieses Land doch ein Land und Ukrainer und Russen lebten auch bisher friedlich zusammen - warum sollte dies unter der neuen Regierung nicht funktionieren?

Nun ja, mal sehen, was noch wird ... wie sagt man doch so schön - die Hoffnung ist das einzige was bleibt - also hoffe ich weiter!

 

Osteuropäische Ampelmännchen ... :P

Mittwoch, 05.02.2014

Hallo, ich melde mich mal wieder!

Tja, gestern habe ich meine ukrainische Aufenthaltserlaubnis abgegeben - nun ist es wirklich ernst. Ich werde nach dem Zwischenseminar mit dem Bus von Lemberg nach Deutschland abreisen - es ist schon komisch, sich von allen, die mich hier aufgenommen haben, zu verabschieden - die Menschen hier, die Ukraine und alles sind mir schon ans Herz gewachsen. 

Doch neben dem Abschiednehmen war ich auch noch einmal unterwegs - und zwar in Kiew! Die Familie Hamburg ist nämlich nach Kiew zur dortigen deutschen Gemeinde gefahren und konnte mich mitnehmen - schon die Fahrt mitten im Schnee war ein Erlebnis. Als ich dann abends in Kiew aus dem Auto stieg, um zur Metro zu kommen, musste ich zwischen den Barrikaden hindurchgehen - ich kam mir vor wie Fernsehen! Die deutsche Kirche liegt nämlich in der Nähe des Kreschtschatyk, dem Hauptboulevard im Zentrum, der direkt zum Maidan führt. Ein bisschen mulmig war mir zwar schon, aber ich es war überhaupt kein Problem - die Metro fuhr ganz normal und ich bin sicher bei den zwei Freiwilligen von "Pax Christi", Elena und Ilja, angekommen. Sie wohnen etwas außerhalb vom Stadtzentrum und arbeiten dort in einem Kinderheim. Wir haben noch einen ganz vergnüglichen Abend miteinander verbracht und am nächsten Morgen ging es dann auch schon los zur Stadtbesichtigung - bei eisigen -15°C und schönstem Sonnenschein. 

Zuerst bin ich mit der Metro über den vereisten Dnjepr gefahren, auf dem einige Ukrainer schon fleißig eisgefischt haben.

Ausblick über den Denjepr und Kiew

Ich habe mir zuerst das berühmte Höhlenkloster "Lawra" angesehen, das an einem der Uferhänge liegt. Das Kloster teilt sich in die "Untere Lawra" und die "Obere Lawra". Das Höhlenkloster ist mit seinen zahlreichen Kirchen eines der ältesten der Kiewer Rus (slawisches Großreich, das unter dem Fürsten Wolodymyr seine Blüte erlebte und vom 9. bis 13. Jh. bestand, Kiew war die Hauptstadt) und ist auch Unesco-Weltkulturerbe. Dort besuchte ich auch das Miniaturenmuseuem - was wirklich sehr beeindruckend war - ein Mann (seinen Namen habe ich vergessen) hat dort über zwanzig winzig kleine Exponate ausgestellt - darunter das kleinste Buch der Welt mit nur 0,6 Quadratmillitmetern, auf dessen 12 winzigen Seiten ein Gedicht vom ukrainischen Nationaldichter Taras Shevschenko aufgeschrieben ist.

Natürlich habe ich dann auch noch die berühmten "Höhlen" besucht - in diesen unterirdischen Gängen liegen die Mumien von Heiligen der orthodoxen Kirche. Es war schon seltsam, diese fremden Rituale und diesen so ganz anders gelebten christlichen Glauben zu erleben.

  Lawra Goldene Türme der Lawra Noch einmal Ausblick

Von der Lawra ist es nicht weit bis zur monumentalen Statue der "Mutter Heimat" - zu der 102 m großen Statue führt ein von Panzern und anderen Kriegsgerät gesäumter Weg und natürlich durften auch die typischen heroischen Heldenlieder aus Lautsprechern nicht fehlen. Das ist typisch für Kriegsgedenkstätten in der Ukraine - irgendeine Beschallung muss es immer geben, denn gleich in der Nähe (bzw. im Sockel der Statue befindet sich das "Museum des großen Vaterländischen Krieges") es mich auch sehr beeindruckt - die Musik, die menschenleere Straße, die ausgestellten Panzer und der Ausblick von dort über Kiew - es war irgendwie schon ergreifend. 

Mutter Heimat

Naja, dennoch wärmten diese Heroenlieder mich nicht so ganz auf, weswegen ich mich dann auf in die Innerstadt machte - und natürlich auch auf zum Maidan. 

Manche würden mich natürlich für verrückt halten, warum ich mich gerade in die "Gefahrenzone" begebe, aber ich muss sagen dass es mir irgendwie total normal vorkam auf den Maidan zu gehen, denn es ist nun einmal das Zentrum Kiews und bis auf die Barrikaden, die vermummten Gesichter, die Kundgebungen und die ständigen "Slava Ukraini" Rufe war es auch irgendwie so "normal". Die Menschen benahmen sich, als wäre es die normalste Sache der Welt, sie gingen mit ihren Einkaufstüten an den Demonstranten, die dort in Zeltstädten wohnen vorbei oder haben sich mit ihnen unterhalten, es gab medizinische Hilfsstellen, kostenlose Essensausgaben - es war einfach sehr gut organisiert. Für mich war es irgendwie bizarr, wie einfach man auf den Maidan gelangt und wie ungefährlich und ruhig es war - nichts von gewaltsamen Konflikten,wie sie im Fernsehen immer gezeigt werden, obwohl es auch seltsam war, denn manche Menschen liefen mit Motorradhelmen und Baseballschlägern herum aber es war keine Gewalt zu spüren. Es war natürlich schon ein komisches Gefühl an der Gedenktafel für die getöteten Demonstranten vorbei zu gehen oder die "Slava Ukraini" - Rufe zu hören, doch ich habe gemerkt, dass es den Leuten wirklich wichtig ist, dass bald etwas geschieht, denn das ist doch schließlich das wichtigste, dass die Ukrainer sehen, dass ihre Revolution auch Fortschritt bringt und das nicht alles wieder im "Sand versickert" wie bei der orangenen Revolution.

Maidaneindrücke

Vielleicht muss man einfach abwarten, was geschieht - ukrainische Gelassenheit eben, oder die es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Ich muss auch sagen, dass es den Ukrainer inzwischen nicht nur um den Anschluss an Europa geht - es schwingt auch sehr viel Nationalstolz in den Protesten - teilweise auch Nationalismus, zum Beispiel habe ich an einer Hauswand in der Nähe des Maidan auch das Zeichen der SS gesehen, was mich wieder einmal daran erinnert hat, dass die gegenwärtige Situation nicht nur zu einem demokratischeren Staat führen kann, sondern auch noch schlimmer werden kann. 

Tja, das sind einfach nur meine Eindrücke - ich habe auch nur mal kurz "reingeschnuppert" in die Situation - sie ist ruhig aber wer weiß,wie lange das noch so bleibt. 

Dennoch war ich am nächsten Tag wieder auf "Sightseeingtour" diesmal im alten Stadtteil "Podil" und dem "Andrewski Spusk", das ist eine lange gewundene Gasse, an der die wichtigsten Klöster und Kirchen liegen, auch das Bulgakow -Museum. Der russische Schriftsteller ist dort nämlich geboren - das Museum ist wirklich ziemlich cool gestaltet - einerseits ist es nach Bulgakows Roman "Die weiße Garde" gestaltett, das heißt alle Gegenstände, die nicht zum ursprünglichen Wohninterieur der Bulgakows gehören, sind weiß angestrichen, wodurch die echten Stücke aus dem bulgakowschen Besitz noch besser zur Geltung kommen. Dann ist das Haus an sich schon ziemlich seltsam - zum Beispiel kann man ein Zimmer nur durch eine, in einem Wandschrank versteckte Türe betreten, oder das Schlafzimmer von Bulgakows Vater befindet sich hinter einem halbdurchsichtigen Spiegel - es gibt wirklich viel zu entdecken. 

Michaelis Kloster Andreaskirche Der Meister und ich (beim Bulgakov Museum) Souvenirstand mal anders

Natürlich habe ich mir auch die Oper, die die Sophienkathedrale und das Michaelis-Kloster und das Goldene Tor angesehen, doch leider war mir dann so kalt, dass ich in die unertirdische Shoppinghalle "Metrograd" eingebogen bin - das ist ein verzweigtes Gängesystem zwischen den Metrostationen Lva Tolstowo und dem Kreschtschatyk, innerhalb dessen sich unzählige Massen von Geschäften befinden - dort ist es wie auf einem ukrainischen Freiluftmarkt - man kann praktiisch alles kaufen, von Möbeln bis hin zu Perlen oder Nähbedarf - man darf sich eben nur nicht verirren!

Eingang zum Goldenes Tor

Am Sonntag war ich dann zusammen mit Elena im Gottesdienst der deutschen Gemeinde - und da habe ich zum ersten Mal so etwas wie Beklommenheit verspürt. DIe Kirche liegt nämlich direkt neben dem Regierungsviertel - das heißt, die Straße daneben war von Lastern zugestellt und davor standen Polizisten, die mit ihrer Kampfmontur gar nicht zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch passen wollten. Die deutsche Gemeinde selbst versorgt Verletzte vom Maidan und hat auch Schlafmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Michelinmännchen vor Barrikaden Elena und ich - Danke :)

So, jetzt habe ich euch so viel geschrieben, ich will ich euch nicht weiter mit meinen Ausführungen auf die Nerven gehen - aber es gibt so viel zu erzählen, aber ich glaube, so richtig versteht man es erst, wenn man es selbst erlebt hat ... naja, schon wieder so etwas, was ich in der Ukraine gelernt habe - und mir hoffentlich für´s Leben merken werde.

So und mit diesem mehr oder weniger tiefsinnigen Worten mache ich jetzt Schluß für heute! 

Kishinau, Kudryavka und eine Entscheidung

Mittwoch, 22.01.2014

Hallo, es ist schon wieder ziemlich viel Zeit vergangen, und es ist auch ziemlich viel geschehen: Zuerst einmal war ich das Wochenende vom 10.- 12.01. bei Rebecca in Kishinau. Schon die Reise dahin ist einen Bericht wert – ich bin am Freitag zum nahe gelegenen Busbahnhof in Odessa gegangen und habe dort ein Ticket für einen Bus nach Kishinau gekauft – um 17.35 ging es dann auch los. Vorher musste ich jedoch noch einen „Transitschein“ ausfüllen – ich hatte keine Ahnung, weshalb, aber habe ihn ordnungsgemäß ausgefüllt. Über hukkelige Straßen (die ukrainischen Autos müssen Super-Federn besitzen) ging es dann in Richtung Moldawien – dachte ich zumindest. Denn mein Bus ist nicht über Moldawien, sondern über Transdnestrien gefahren – das ist ein abtrünniges Gebiet, das zwischen dem Fluss Dnister und der ukrainischen Grenze liegt – das Gebiet hat eine eigene Bürokratie und ist völlig unabhängig von der Ukraine oder Moldawien, obwohl es offiziell zu Moldawien gehört. Unterstützt wird Transdnestrien von Russland.

Nach der ersten Grenzkontrolle wurden wir noch einmal kontrolliert – als wir danach weiterfuhren, habe ich mich schon gewundert, warum alles auf Russisch steht – denn eigentlich werden in Moldawien Rumänisch und Russisch gesprochen. Nun ja ich war ohne meine Kenntnis in Trandnestrien eingereist. Aber es ging dann doch alles klar und ich kam in Kishinau wohlbehalten an, wo ich gleich von Rebecca abgeholt wurde. Wir fuhren zu ihr nach Hause, das heißt in das Hostel in dem sie wohnt. Das Hostel war sehr modern und schön und liegt direkt neben der Arbeitsstelle von Rebecca, die wir uns am nächsten Morgen auch angesehen haben. Sie arbeitet dort in einem katholischen Hilfswerk, bei dem sie täglich  94 bedürftige Senioren mit Essen versorgt und nachmittags den Kindern aus der Umgebung beim Hausaufgabenmachen hilft.

Rebecca und ich hatten jedoch, bevor unsere „Sightseeingtour“ beginnen konnte, erst noch zu klären, ob ich überhaupt aus Moldawien ausreisen kann – denn ich hatte keinen Einreisestempel erhalten – aber wir konnten nichts tun, da alle Registraturbüros am Wochenende geschlossen hatten – also hieß es nichts anders als gelassen bleiben, denn eigentlich darf man sich 72 h in Moldawien aufhalten, ohne sich registriert zu haben.

Nachdem wir von den Schwestern herumgeführt wurden, machten wir uns dann auf in die Stadt. Kishinau ist sehr von moderner Architektur geprägt – jedoch erinnern mich die baumbestandenen Straßen an die Alleen von Odessa.  Entlang der zentralen „Stefan cel Mare“ Straße reihen sich der Regierungspalast, die Oper und die zentrale Kathedrale der moldawischen Kirche. Wir waren auch in der „Mall Dova“ einer großen Einkaufsmall, in der es sich die moldawische Mittel- bis Oberschicht „gut gehen“ lässt. Direkt mit Ausblick auf die teilwiese zusammenstürzenden Baracken eines davorliegenden Wohnviertels.

Noch ein paar Dinge, die mir zu Kishinau allgemein aufgefallen sind:

- Dort reden viiiel mehr Leute Englisch als in Odessa

- Die Schokolade  (die, wie in der Ukraine auch, von einer einzigen Firma hergestellt wird) schmeckt, ich muss es gestehen, besser als „unsere“

- Moldawien ist ein wenig wie der kleine Bruder der Ukraine, jedoch hat es das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet und hier werden eben zwei Sprachen gesprochen – Rumänisch und Russisch

- Typisch moldawische Gerichte sind: Plecinta (gefüllte Brötchen), und Mama Liga (so etwas wie Polenta)

- in Moldawien gibt es genau wie in der Ukraine die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich – Porsche steht neben Uralt-Lada, Frauen mit Gucci Handtaschen stöckeln an Bettlern vorbei

Am Sonntag waren wir dann noch in der rumänischen Messe und dann ging es bei stürmischem Wetter auch schon nach Hause – zum Glück ist alles klar gegangen und ich bin sicher in Odessa angekommen. Danke noch einmal an Rebecca für das schöne Wochenende :)

  Ausblick über Kishinaus Stadtrand Kathedrale der Geburt des Herrn mit Glockenturm Straße in Kishinau Kathedrale des großen Märtyrer Teodor Tiron Der Weihnachtsbaum - typisch osteuropäische Beleuchtung Weihnachtsengel :)

Letztes Wochenende waren Effi und ich dann zusammen mit Hamburgs (dem Pfarrer hier) und seiner Familie in einem alten deutschen Dorf Namens „Kudryavka“. Dieses Dorf liegt wirklich mitten im ukrainischen Nirgendwo, es führt nur eine Schlammstraße dorthin und die Leute haben, glaube ich, kein Internet und im Winter kaum eine Möglichkeit in die nächste Stadt zu kommen – und wenn der Strom ausfällt, wird es ganz schlimm, denn das Dorf wird nicht einmal mit Gas versorgt. Um das Dorf herum gibt es auch nur Felder, soweit das Auge reicht – das heißt also, wenn der Winter lang wird, wird es schwer, Holznachschub zu bekommen.

Dennoch haben sich die fünf Frauen, mit denen Andreas Hamburg im Haus der Gemeinde Gottesdienst gefeiert hat, sehr gefreut und uns auch ziemlich festlich bewirtet, wie ihr auf den Fotos sehen könnt.

  Kudryavka Bunte Punkte im Grau :) typisch ukrainische Aussicht Lage von Kudryavka Kudryavka bei Google Maps  Wir mit der Gemeinde

Tja, danach ging es mir leider irgendwie schlecht – ich habe eine Mandelentzündung! Vielleicht hängt das auch mit meiner derzeitigen Verfassung zusammen – seit mehreren Wochen überlege ich nun schon, ob aus 354 Tagen Ukraine nun doch weniger werden – denn ich fühle mich zwar gut angenommen von den Leuten hier, doch mir macht mein Heimweh, meine Arbeit in der Blindenschule und einfach auch meine Gesundheit zu schaffen – das alles spielt zusammen und ich bin zusammen mit meiner Organisation und den Leuten hier vor Ort zu dem Entschluss gekommen, dass ich meinen Dienst vorzeitig beenden werde.

Ich bereue es nicht, dass ich diesen Freiwilligendienst angetreten habe, ich habe viel erlebt, gelernt und kann sagen, dass ich gewachsen bin. Auch wenn das für einige von euch ziemlich plötzlich und erschreckend klingen mag – ich habe diese Entscheidung über einen langen Zeitraum hinweg getroffen und nichts „überstürzt“ – ich glaube, das ist die richtige Entscheidung.

Ich sehe nun nach vorne und hoffe, dass ich noch schöne Wochen in der Ukraine verbringen kann, sodass ich gerne an diese Zeit zurück denken kann.

Ich werde mich sicher noch einmal melden und wünsche euch nun erst einmal ein schönes Wochenende – nächste Woche weiß ich dann hoffentlich, wann ich ausreisen kann.

 

Bis dahin – Eure Luise!

Weihnachten und Silvester in der Ukraine

Donnerstag, 09.01.2014

Obwohl ich das „westliche“ Weihnachten in Deutschland gefeiert habe, ist hier die Weihnachtszeit gerade erst im vollen Gange – denn in der orthodoxen Kirche wird nach dem julianischen Kalender Weihnachten gefeiert,also am 6., 7. und 8. Januar. Sowohl Weihnachten als auch Silvester werden „in Familie“ gefeiert – Novi God (Neujahr) erscheint mir dabei „wichtiger“ als Weihnachten. Ich habe Novi God zusammen mit den ICE und Diakonie Freiwilligen aus der Ukraine und Rebecca (sowie ihrer moldawischen Freundin) gefeiert. Zuerst waren wir 14 zusammen Pizza essen, um uns danach das Feuerwerk an der Potjomkinschen Treppe anzusehen – es war schon cool zu beobachten, wie überall an den Rändern der Bucht die Feuerwerke angezündet wurden.

Nach 24 Uhr ging dann das Konzert auf der Bühne vor dem odessaer Rathaus los – Jung und Alt tanzten und feierten zusammen.

Und wenn ich Jung und Alt schreibe, dann meine ich das auch so – ausgelassene Tanzkreise mit Menschen aus vielen Ländern – Moldawien, Niederlande, Türkei – ein buntes Gemisch. Mein Fazit: Einmaliges Erlebnis! Vielen Dank an alle, mit denen ich dieses Fest feiern konnte - die schönen Fotos vom Feuerwerk kommen übrigens von Effi ;) und von den anderen Freiwilligen oder von mir selbst - nochmal vielen Dank!

 

Vom 1. bis zum 7. Januar sind hier Feiertage (drei Tage davon müssen jedoch an Samstagen „nachgearbeitet“ werden) – und deswegen konnte ich mit meinem Bruder und den Freiwilligen vom ICE, die diese Woche hier waren, lange Stadtführungen, Spieleabende und Spaziergänge unternehmen. So habe auch ich Ecken von der Stadt erkundet, die ich bisher noch nicht gesehen habe – zum Beispiel waren wir im Delfinarium, in der Gemäldegalerie (in der sogar ein echter Rubens hängt), im arabischen Kulturzentrum und in der Synagoge.

Auf dem Weihnachtsmarkt Der 12. Stuhl - wo ist er nur? Vor der Kirche

Am Freitag waren mein Bruder und ich dann auf der Burg „Akkerman“ in der Nähe, auf der ich schon mit meinen Eltern war – dort habe ich, da die Burg an einem Süßwasserliman liegt, große Miesmuscheln mit wunderschönem Perlmutt gefunden :)

Ded Maros und seine Enkelin Snegurotschka

Sonst war nichts groß los – das Wetter ist trübe und trist und meine Stimmung manchmal auch – obwohl es mir, das muss ich noch einmal betonen – wirklich, wirklich gut geht, stehen die nächsten acht Monate wie eine große Mauer vor mir.

Aber dann gibt es auch immer wieder Lichtstrahlen – zu Beispiel habe ich am Mittwoch bei meiner einen „Oma“ nach dem Aufräumen  ein typisch ukrainisch/russisches Weihnachtsessen gegessen – dazu gehört:

Cholodez – so etwas ähnliches wie runde Sülze, es werden Fleisch, Gewürze sowie Gemüse in Gelee eingelegt und dann im Kühlschrank (Cholodilnik auf Russisch, daher auch der Name „Cholodez“) kalt gestellt (Bildquelle: http://www.rus-map.de/fleischsuelze-cholodez-holodec

Kutja – gekochte Walnüsse mit etwas Hafer, Weizen, evtl. Rosinen, Zucker und Mohn – es schmeckt süß aber nicht allzu sehr, außerdem sind die Nüsse durch das Kochen ganz weich – mir hat es jedenfalls geschmeckt 

Viiiiiel Fleisch – in verschiedensten Formen :)

Salat „Olive“ – das ist so etwas wie Kartoffelsalat

Piroschki – das sind kleine, mit Fleisch oder Kohl gefüllte, in Öl gebackene Brötchen

Kalatsch (Калач) – ein runder Milchzopf mit Rosinen und Mohn (Bildquelle: http://ukraine.ui.ua/ua/ukrainskaya-kukhnya/muchnyye-blyuda/rozhdestvenskiy-kalach)Різдвяний калач

Am 6. Januar war ich dann auch noch mit meinen Sprachschüler aus dem Tandemkurs in einem Baptistischen Weihnachtsgottesdienst – das war im großen und ganzen nicht so anders, als ein evangelischer Gottesdienst, es gab viele Lieder und sogar zwei Krippenspiele – ich habe auch recht viel verstanden.

Am 7. Habe ich mir dann mal angesehen, wie in einer orthodoxen Kirche Weihnachten gefeiert wird – die Leute gehen ein und aus, und die Popen (die orthodoxen Pfarrer) stehen vor der Ikonostase (der Wand hinter der sich der eigentliche Gottesdienst abspielt) und singen, zusammen mit einem Frauenchor, Weihnachtslieder – sie haben ziemlich tolle Stimmen, muss ich sagen.

Tja sonst gibt es nichts zu berichten – dieses Wochenende „flüchte“ ich mal wieder aus der Stadt und fahre, wenn alles klappt, mit der Marschrutka nach Kishinau zu Rebecca.

До скорого!

Weihnachten in der Heimat

Montag, 23.12.2013

Hallo, heute schriebe ich wenig, aber sende euch mit zwei Bildern von der weihnachtlich geschmückten Deribasovskaja Straße in Odessa, schöne Weihnachtsgrüße. Obwohl die Fotos in der Ukraine aufgenommen wurden, feiere ich mein Weihnachtsfest zu Hause - Weihnachten wird in der orthodoxen Kirche erst am 7. Januar gefeiert - und Weihnachten ist eben ein Fest der Familie - da möchte auch ich bei meiner Familie sein! In diesem Sinne wünsche ich euch eingesegnetes Fest und ruhige Stunden mit guten Büchern, Kakao und natürlich eurer Familie oder eueren Freunden!

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